Der Klang der Mongolei

In der Mongolei gibt es eine hohe Anzahl an Menschen mit Hörminderung, die nur begrenzten Zugang zu audiologischer Versorgung haben. Ein Team von Widex Hörgeräte-Akustikern half, mongolische Hörgeräte-Akustiker zu schulen und wertvolles Fachwissen zu vermitteln.

Als die australische Widex Hörgeräte-Akustikerin Jenny Smith 2009 in die Mongolei reiste, konnte der Kontrast zu ihrer Heimatstadt Melbourne nicht größer sein. Sie verließ Australien bei Rekordtemperaturen von 37 Grad und erreichte die frostigen mongolischen Steppen bei Temperaturen von minus 17 Grad. „Die Einheimischen erzählten mir freudestrahlend, dass es sehr warm sei“, berichtet sie. „Und die Woche darauf sollten die Temperaturen auf minus 30 Grad fallen.“

Durch die Zeitverschiebung liegen die Mongolei und Melbourne nur zwei Stunden auseinander, aber kulturell und wirtschaftlich gesehen liegen Welten zwischen ihnen. Von Russland und China umgeben stand es für die meiste Zeit des zwanzigsten Jahrhunderts unter sowjetischer Herrschaft. Das auffälligste Erbe dieser Zeit ist die in der Hauptstadt Ulan Bator immer noch vorherrschende einheitliche und strenge Architektur.

Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion öffnet sich die Mongolei jedoch immer mehr dem Westen und ist insbesondere durch die Tourismusindustrie und den Kaschmirexport eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Seit kurzem erlebt das Land eine expansive Wirtschaftsentwicklung durch massive ausländische Investitionen in den Abbau des einheimischen Rohstoffreichtums.

Obwohl die Mongolei ein enormes Potenzial hat, bleibt die breite Bevölkerung arm und das Land steht vielen sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen gegenüber. Laut Schätzungen der Vereinten Nationen leben in den Städten 27 % der Mongolen unter der Armutsgrenze, in ländlichen Gegenden sind es fast 50 %. Und gemäß der Weltgesundheitsorganisation hat Ulan Bator die höchste Luftverschmutzung weltweit.

Großer Bedarf

Es ist daher wenig überraschend, dass die meis- ten Menschen kaum Zugang zu grundlegendem Komfort wie Elektrizität oder laufendes Wasser haben und dass eine angemessene medizini- sche Versorgung selten ist. Das bedeutet auch, dass Hörminderungen weit verbreitet sind. Laut Jenny gibt es „eine hohe Anzahl an Menschen mit Hörminderung und ungenügend behandelten Mittelohrentzündungen. Eine generell ungenügende medizinische Versorgung sowie eine unzureichende Hygiene können zu Mittelohrentzündungen führen, die sich unbehandelt langfristig zu einem chronischen Hörverlust entwickeln“, erklärt Jenny. „Daher besteht ein großer Bedarf an Hörsystemen, aber gleichzeitig hat man von ihnen nur wenig Kenntnisse.“

Um diesem Problem Abhilfe zu schaffen, reiste Jenny – zusammen mit der erfahrenen Audiologin Mimi Shirako von Widex Japan – in die Mongolei, um an einem Schulungsprogramm zur Hörprüfung und Rehabilitation teilzunehmen. Mit einem Lächeln erzählt Jenny:

 

> Die Menschen, die wir kennen- gelernt haben, sind alles mit einer wunderbaren Begeisterung und Energie angegangen. <

 

Schiefer Klang

Es drehte sich aber nicht alles um die Arbeit. Jenny erinnert sich besonders an einen Abend: „Im tiefsten mongolischen Winter saß ich in einem italienischen Restaurant und trank einen guten kalifornischen Rotwein, während mir ein mongolischer Popstar mit schwarzem zurückgelegtem Haar und einer riesigen Sonnenbrille ein persönliches Ständchen mit Sailing und Amazing Grace brachte. Meine Antwort war eine furchtbare Darbietung des Lieds Yesterday mit meinem mon- golischen Kollegen Munkho Liira. Als ich zum Hotel Chinggis Khaan mit einer vorübergehenden Schwellenverschiebung und Kopfschmerzen zurückkehrte, dachte ich darüber nach, dass ich in meiner Tätigkeit als Hörgeräte-Akustikerin einige wirklich faszinierende Erfahrungen machen konnte!“