Ist Hörverlust heilbar?

Die Neuigkeit, dass die FDA (US-amerikanische Zulassungsbehörde für Arznei- und Lebensmittel) Studien mit hörgeminderten Kindern genehmigt hat, um die Wirksamkeit einer Stammzelltherapie zu erforschen, hat die Branche in Aufregung versetzt. Wie weit sind wir noch von der Heilung eines Hörverlusts entfernt?

Stammzellen werden weltweit zu Forschungszwecken verwendet, unter anderem auch für die Therapie einer verblüffenden Breite an Erkrankungen wie Wirbelsäulenverletzungen oder Alzheimer. In vielen medizinischen Bereichen werden Stammzelltherapien an kleinen Versuchstieren erforscht.

 

VERSUCHE MIT MÄUSEN

Mäusen mit einer Hörminderung wurden Stamm- zellen injiziert, was dazu führte, dass eine Ver- besserung des Hörvermögens in einigen Studien nachgewiesen werden konnte. Japanische For- scher verwendeten Knochenmarkstammzellen, die in die Hörschnecken von Mäusen injiziert wurden. Deren Hörverlust war durch Medika- mente herbeigeführt worden, wobei sich im Laufe der Zeit eine Defektheilung (unvollstän- dige Heilung) einstellen konnte. Im Vergleich zu den unbehandelten Mäusen konnte man bei den mit Stammzellen behandelten Mäusen eine höhere Heilungsquote nachweisen*. Australische Wissenschaftler injizierten nasale Stammzellen in die Hörschnecken von hörgeschädigten Mäusen – und erhielten ebenfalls positive Resul- tate.

Im September 2012 beschrieben Wissenschaft- ler von der Sheffield Universität, Großbritanni- en, in der Fachzeitschrift Nature, dass sie das Hörvermögen tauber Wüstenrennmäuse wieder- herstellen konnten, indem sie ihnen menschliche embryonale Stammzellen injizierten.

 

STUDIEN MIT KINDERN

Letztes Jahr wurde möglicherweise der Weg für eine erfolgreiche Therapie geebnet. Das Kinderkrankenhaus Hermann Hospital in Hous- ton, Texas, gab bekannt, dass es die Genehmi- gung der FDA zur Stammzellenforschung mit hörgeminderten Kindern erhalten hatte.

In der Pressemitteilung des Krankenhauses stand, dass „für die Studie die Stammzellen von präser- viertem Nabelschnurblut der Kinder verwendet werden.“ Die Studie ist die erste ihrer Art und hat das Potenzial, das Hörvermögen wiederherzu- stellen. Diese Studie geht Forschungsergebnissen nach, die belegen, dass Nabelschnurblut geschä- digte Organe im Innenohr heilt.

Das Krankenhaus begann Anfang 2012 mit der Rekrutierung geeigneter junger Probanden. Für diese Studie suchte man zehn Kinder im Alter von 6 Wochen bis 18 Monaten, die postnatal erwor- bene Hörminderungen hatten.

Dr. James Baumgartner, ein Träger der Studie und Gastforscher an dem zur Universität Texas gehörenden Health Science Centre der medizi- nischen Fakultät in Houston, erklärte, warum die Suche nach einer Behandlung für solche jungen Kinder so wichtig ist: „Kinder haben nur 18 Mo- nate, um Sprachfähigkeiten zu erwerben, und wenn ein Kind nicht richtig hören kann, dann kann es auch nicht die Fähigkeiten erlernen, um normal sprechen zu können.“

Der Chirurg und Studienleiter Dr. Samer Fakhri vom Memorial Hermann-Texas Medical Centre sagte, dass „Hörsysteme und Cochleaimplanta- te momentan die einzigen Lösungen für Schallempfindungsschwerhörigkeit darstellen. Wir hoffen, dass diese Studie uns Möglichkeiten eröffnet, um weitere Optionen zugunsten hörge- schädigter Kinder zu schaffen.“

 

FERNE ZUKUNFT

Eine erfolgreiche stammzellbasierte Behand- lung von Hörverlust liege allerdings noch in fer- ner Zukunft, betont Stefan Heller, Stammzellen- forscher an der Stanford University in Kalifornien.

Er untersucht die Differenzierung von Zellen, die für das Hörvermögen ausschlaggebend sind. „Die erste stammzellbasierte Behandlung wird man voraussichtlich erst in 15 Jahren vornehmen können.“ Bis dahin müssen wir uns also noch gedulden.

 

Quellen:
(kamiya et al, 2007)
(sonali et al, 2001)
examiner.com
www.deafmomworld.com