Rotwein für das Gehör

Vielleicht haben Sie Anfang des Jahres die Berichterstattung über eine amerikanische Studie verfolgt, die behauptete, das Trinken von Rotwein könnte Hörminderungen vorbeugen. Hierbei handelt es sich nur um eine von vielen gesundheitsfördernden Eigenschaften, die dem Rotwein zugesprochen werden – frühere Studien kamen bereits zu dem Schluss, dass er überdies vor Herzkrankheiten und Demenz schützt – und die ihn immer mehr zum „Wundergetränk“ machen. Oder sie bestätigt schlicht, was schon Benjamin Franklin einst befand: „Wein ist der beste Beweis dafür, dass Gott uns liebt ….“

 

Wein trinkende Ratten

 

Dr. Michael Seidman vom Henry Ford Hospital in Detroit, USA, hat einen Stoff namens Resveratrol untersucht, der in roten Trauben enthalten ist. Gesunde Ratten, die mit dieser Substanz gefüttert wurden und die man über längere Zeiträume lauten Geräuschen ausgesetzt hatte, litten demnach deutlich seltener unter Hörminderungen als ihre Artgenossen, die diesen Stoff nicht erhalten hatten. Die Tageszeitung Daily Mail zitierte Dr. Seidman mit den Worten: „Resveratrol ist eine sehr wirkungsvolle Chemikalie, die anscheinend vor körperlichen Entzündungsprozessen schützt, die mit dem Altern, dem Verlust unserer kognitiven Fähigkeiten und Hörminderungen in Zusammenhang stehen.“

Seidman weiter: „Wir konnten beweisen, dass unter Ratten, die wir Lärm aussetzten, diejenigen Hörminderungen erlitten, denen wir nur Placebo- präparate verabreicht hatten. Die mit Resveratrol behandelten Ratten waren hingegen um 50 % seltener von einer Hörminderung betroffen – ein sehr deutliches und erstaunliches Ergebnis.“

Wein trinkende Menschen

Doch wie sieht es mit der Wirkung auf Menschen aus, die bereits einen Hörverlust haben? Kann die Einnahme von Resveratrol Hörminderungen heilen? „Ich wünschte, ich könnte diese Frage bejahen“, sagt Seidman, „aber diese Studie bezog sich auf Tiere und nicht alle Wirkungen, die bei Tieren auftreten, treffen auch auf den Menschen zu. Ich arbeite mit dem Militär zusammen und denke, dass diese Studie sicherlich einen Wert hat und ausgeweitet werden sollte.“

Resveratrol kommt in einer Reihe von Lebensmitteln vor, zum Beispiel in dunkler Schokolade, in Maul- und Blaubeeren. Doch es sind rote Trauben und der Rotwein, welche die größten Men- gen davon enthalten. Ist Dr. Seidman denn selbst passionierter Rotweintrinker? „Ursprünglich konnte ich den Geschmack von Rotwein nicht ausstehen. Er war für mich zweifelsohne gewöhnungsbedürftig. Doch mittlerweile liebe ich ihn. Ich trinke meistens einen Cabernet oder Merlot.“ Die rote Traube mit der höchsten Resveratrol-Konzentration ist die Pinot-Noir-Traube.

 

Ein Glas Rotwein pro Tag

Aber was, wenn man überhaupt keinen Wein mag? „Wenn Sie Wein gar nicht mögen, dann glaube ich ehrlich gesagt nicht, dass sich das jemals ändern wird.“ Nicht-Rotweintrinker könnten aber doch sicher dieselbe Wirkung erhalten, indem sie entweder rote Trauben essen oder Traubensaft trinken? „Ja und nein“, lautet Dr. Seid- mans Antwort. „Ich bin nicht völlig überzeugt, dass nur das Resveratrol alleine gesundheitsfördernd wirkt. Ich glaube vielmehr, dass auch die Tannine und der Alkohol ihren Teil beitragen. Um es kurz zu machen: Trinken Sie ein Glas Rotwein täglich (sofern es Ihr Arzt nicht untersagt), aber nicht mehr.“