Lärm – der akustische Abfall

Ein immer noch unterschätzter Teil der Umweltverschmutzung ist der allgegenwärtige Lärm, denn er führt zu langfristigen körperlichen und psychischen Schäden.

Jeden Tag sind wir von einer Geräuschkulisse umgeben, die uns oft nicht einmal mehr auffällt: Straßenlärm, Rasenmäher, Computer und Telekommunikationsanlagen, ratternde Güterzüge, Hintergrundgedudel in Kaufhäusern und Supermärkten, Maschinengedröhne, Flugzeuge… Wo kommen wir heute noch zur Ruhe?

 

Aus Schall wird Lärm wenn er als störend empfunden wird. Das ist natürlich individuell verschieden und abhängig von der momentanen Befindlichkeit. Im Allgemeinen sind hohe oder sehr laute Töne sowie einzelne herausragende oder unregelmäßige Geräusche besonders unangenehm. Lärm ist akustischer Abfall.

Lärm ist weltweit das auffallendste Merkmal der Industriegesellschaft und er hat auch in der digitalisierten Informationsgesellschaft nicht abgenommen. Er gehört zu den am meisten unterschätzten Umweltschadstoffen, die moderne Gesellschaften meist ahnungslos tolerieren. Wirksame Konsequenzen wurden bis heute nicht gezogen. Im Gegenteil: Es wird immer lauter.

 

Bei Lärm handelt es sich um „Krach und Geräusche, die sich aus nichtperiodischen Schwingungen zusammensetzen“, wie der renommierte Klangforscher und Komponist Murray Schafer schreibt. Natürliche Laute hingegen „leben“. D.h., sie entstehen, schwellen an und verklingen.

Der Musikpublizist Joachim-Ernst Berendt beobachtete bereits vor zwei Jahrzehnten, dass der durchschnittliche 60-jährige Afrikaner ein besseres Gehör habe, als der durchschnittliche 25-jährige westliche Mensch. Lärmschwerhörigkeit ist ein trauriges Kapitel unserer Arbeitswelt. Sie ist in Deutschland die häufigste Berufskrankheit, wird aber meist erst Jahre später festgestellt, wenn Betroffene rechtlich nichts mehr bewirken können.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts leiden je nach Altersgruppe zwischen 3 und 15 % der Erwachsenen in Deutschland an Tinnitus: an anhaltenden, manchmal quälenden Ohrgeräuschen wie etwa Rauschen oder Pfeifen.

Besonders der Hörsinn von Jugendlichen wird extrem belastet: MP3-Player, Handys, Computer und Diskobesuche mit Schallpegeln die bis zur akustischen Körperverletzung reichen können. Lärm schädigt die Hörsinneszellen über längere Zeiträume hinweg, weshalb man die Schädigung oft erst bemerkt, wenn es schon zu spät ist.

Hörsinneszellen haben sehr feine, empfindliche Härchen (Zilien) und wandeln die Schallwellen in elektrische Impulse um, die dann ans Gehirn weitergeleitet werden. Durch langanhaltenden, lauten Schall werden die Hörsinneszellen zunächst geschwächt, erholen sich normalerweise jedoch wieder. Werden sie aber immer wieder akustisch überlastet und gestört, erschlaffen sie. Die Zilien können verkleben oder sogar abbrechen.

Einmal zerstörte Hörsinneszellen wachsen nicht mehr nach.

 

Lärm wirkt jedoch nicht nur auf das Gehör, sondern beeinträchtigt den ganzen Körper. So engt er etwa das Zwerchfell ein, den Haupteinatmungsmuskel, der auch für das Sprechen maßgeblich ist. Lärm bewirkt psychisch zunächst Irritationen, Stress und Aggressionen, aber auch Resignation und depressive Verstimmungen. Wenn man ohne Kontrollmöglichkeit dem Lärm ausgesetzt ist, kann er zu Depressionen und psychosomatischen Erkrankungen führen. Denn Lärm kann Schlaf und Erholung stören, das vegetative Nervensystem beeinträchtigen und das Herz-Kreislauf-System chronisch schädigen.

Wie lassen sich die negativen Auswirkungen der Dauerbeschallung vermeiden?

 

Zur Entspannung des Hörsinnes sind eine lebensfreundliche Umwelt und eine ausgleichende Bewegungskultur hilfreich. Der Hörsinn wird gefördert, wenn man achtsam wird für das individuelle Bewegungs- und Entspannungswohl des eigenen Körpers und Kinder von früh an mit einer altersgemäßen und lustbetonten Bewegungskultur vertraut macht. Denn das Gleichgewichtsorgan im Innenohr ist mit dem Tast- und Tiefensinn sämtlicher Gelenke, Muskeln und Sehnen im Körper verschaltet. Regelmäßige Atemübungen erhöhen die vitale Spannung des gesamten Organismus, lösen das Zwerchfell und helfen so, zum natürlichen Rhythmus zurückzufinden. Die Zellen im ganzen Körper, natürlich auch die Hörsinneszellen, können regenerieren. Die Muskulatur im Hals-, Nasen-, Ohren-, Kiefer- und Rumpfbereich entspannt sich.

Die Natur ist eine unerschöpfliche Erholungsquel- le für den Hörsinn. Durch Bewegung im Freien wird außerdem die Sauerstoffversorgung der Hörzellen verbessert.